Hauptthema der von rund 40 Bürgern besuchten Einwohnerversammlung im Weingartener Rathaus am Dienstagabend war die Insolvenz des SV Weingarten (SVW).
Weil die SVW-Vereinsspitze der Ortsgemeinde (und ihm selbst) vorgeworfen habe, die Fußballer nicht genügend unterstützt zu haben, listete Ortsbürgermeister Dr. Kurt Seibert geleistete Zahlungen auf: Entschädigungen (für Anlage und Sportheim), Gebühren, Übernahme unbezahlter Rechnungen sowie eine Bürgschaft von 300.000 Euro summierten sich auf 991.000 Euro. Dazu kämen Grundschulden von zweimal 300.000 Euro bei Land und Bank sowie die Vorfinanzierung des Baugeländes „Sportplatz“ mit 400.000 Euro. Die Gemeinde sei also mit fast zwei Millionen Euro dabei. Zwar werde am Ende – also nach erfolgreicher Vermarktung des Baugeländes – das Defizit für die Gemeinde ungleich geringer ausfallen, es bliebe allerdings insbesondere der große Brocken Bürgschaft. Den habe er, Seibert, eigentlich als „Notgroschen“ gesehen, den die Verantwortlichen aber offenbar skrupellos eingesetzt hätten, um ihre sportlichen Pläne zu finanzieren.
Für die Sportplätze hat die Gemeinde laut Seibert den „Heimfall“ beantragt, um zukünftig in eigener Regie über deren Nutzung verfügen zu können. Entsprechende Anträge sind gestellt. Was mit dem Sportheim geschehen soll, ist noch offen. Es müsse ein Nutzungskonzept erstellt werden, sagte Seibert. Dazu müssten sich Vereine engagieren. Dass zunächst genau geprüft werden müsse, welche Kosten sich ergäben, bekräftigten später auch Vertreter der anderen Ratsfraktionen.
Stefan Becker (CDU) kritisierte die „Allianz“ aus SPD und FWG, die mehr verwalte als gestalte. Mit har scher Kritik blickte Becker auf den Niedergang des Sportvereins zurück und gab damit den Anstoß, dass die Emotionen im Bürgersaal noch einmal hoch zu kochen drohten.
Für Investitionen sei kein Geld da, sagte Seibert. Begonnene Projekte, Baugebiete, Maßnahmen zur Beruhigung von Parkplatzsituation und Verkehr, werden weitergeführt.
Im Kindergarten sollen Ganztagesplätze eingerichtet werden, erläuterte der zuständige Beigeordnete Thomas Kraus. Weil ab Januar 2010 auch Zweijährige einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz haben sollen, müsse der Kindergarten ohnehin Ruhemöglichkeiten für die Kinder schaffen. Bisher ist durch den Betrieb der „provisorischen“ dritten Gruppe nicht einmal ein Mehrzweckraum frei. Kraus appellierte eindringlich, in geeignete bauliche Maßnahmen zu investieren. Das Fehlen von Ganztagsbetreuung sei derzeit ein Standortnachteil für Weingarten, der sicher manch junge Familie davon abhielte, hier einen Bauplatz zu kaufen. Laut Kraus hat das Landesjugendamt die Einrichtung von zehn Ganztagesplätzen in Aussicht gestellt. Entsprechende Anträge liefen.
Die Ehrung der Ortsgemeinde Weingarten wurde dem FCK-Fan-Club zuteil. Dessen Vorsitzender Harry Breuning berichtete stolz, dass sich der Fan-Club als FCK-Fan-Club-Meister für die Teilnahme an der Meisterschaft der Fan-Clubs Deutscher Vereine 2006, bei der auch die „Bellemer Deifel“ antreten werden, qualifiziert hat.
Aus den Reihen der Bürger kamen Beschwerden über Jugendliche, die am „Wingertsberg“ Lärm und Müll verursachten. Seibert zählte die Plätze auf, von denen die jungen Bürger in der Vergangenheit bereits „vertrieben“ wurden und warb für Toleranz im dörflichen Miteinander. Verbandsbürgermeister Jürgen Thomas forderte dazu auf, mit den Jugendlichen zu sprechen, gegebenenfalls auch Störfälle bei den Behörden zu melden.