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SV Weingarten 1946 e.V. - Oberliga Südwest Saison 2003/2004 Forum

Oberliga Südwest 2005/06
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24.08.2005 - 10:25: Rheinpfalz: Bilanz von Jürgen Johann | Quote Quote

Bericht der Rheinpfalz vom 24.08.2005:

Weshalb SV Weingartens Ehrenvorsitzendem das Herz blutet

Johann kämpfte bis zur letzten Sekunde und spricht von unnötiger Vernichtung – „Problem auf Einnahmeseite“


Bis zum 12. Oktober können die Gläubiger des SV Weingarten ihre Ansprüche geltend machen. Jürgen Johann, dem 59-jährigen Ehrenvorsitzenden des Vereins, blutet das Herz. Einen beträchtlichen Teil der 9000 Stunden Eigenleistungen am Bau des Stadions hatte er selbst übernommen und Materialien und Maschinen zur Verfügung gestellt. Und er hatte Ende Juli einen letzten Versuch unternommen, mit zwei Partnern, die er nicht namentlich nennen will, den Spielbetrieb aufrecht zu halten.

Fast minutiös schildert Johann die letzten Tage des SV Weingarten 1946. Von der Mitgliederversammlung zur Insolvenzeröffnung am 19. Juli bis zur Abmeldung aller Mannschaften am 29. Juli durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Glatt. Der Name des Vorsitzenden Willi Behr taucht nicht auf.

Johann fand demnach zwei Partner als Garanten für weiteren Oberligafußball in Weingarten. Am Freitag, 22. Juli, trafen sie sich mit Insolvenzverwalter Martin Wiedemann und Glatt, bei einer weiteren Beratung am Nachmittag waren Johann und Jürgen Ott dabei.

„Jetzt lagen die Zahlen auf dem Tisch, wurden die Aufgabengebiete abgesteckt“, berichtet Johann: Die Partner sollten für die verbliebenen und künftigen Oberligaspieler (die Verträge mit Philipp Selig, Christian Slatnek, Werner Protzel und Michael Zoll waren bereits aufgelöst worden) und den Trainer verantwortlich sein. Jürgen Ott sollte die Federführung über die Jugend und die zweite Mannschaft übernehmen, Johann selbst die Sponsorenkontakte und das operative Geschäft.

Mindestens 38 000 Euro, besser 50 000 Euro seien gebraucht worden, um Kosten unter anderem für Strom und Wasser und Rückstände zu bezahlen, sagt Johann. Dieser Betrag habe durch ein einjähriges zinsloses Darlehen abgesichert werden sollen. Johann: „Vier Sponsoren erklärten sich bereit, das Darlehen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus erklärten sich mehrere Mitglieder bereit, Geldmittel für die Jugend und alles Weitere zur Verfügung zu stellen.“

Seine Rechnung: Das Geld wäre in einem Jahr Oberligafußball über Fernsehrechte, Oddset, Mitgliedsbeiträge und Bewirtung bei den Spielen und an den Trainingstagen zurückgeflossen und das Darlehen zurückerstattet worden.

„Am Samstag, 23. Juli, gegen 17 Uhr wurden wahllos ausgesuchte Mitglieder in einem Treffen informiert mit der Bitte, bei anderen um Mithilfe für diese letzte und einmalige Chance zu werben,“ so Johann. „Die Zeit drängte, da Meldefrist und der erste Spieltag der Oberliga bevorstanden. Bis spätestens Mittwoch, 27. Juli, musste alles klar sein.“

Der Ehrenvorsitzende stellte sich vor, dass 15 bis 20 Männer und Frauen sofort mit der Aufarbeitung beginnen. Er wollte zurück zu den alten Vereinsstrukturen – und stellte enttäuscht fest, dass es „unter über 500 Mitgliedern fast keine Bereitschaft für diese einmalige Chance gab. Somit“, so Johann, „war die Entscheidung gefallen, obwohl das Konzept klar verständlich und in sich schlüssig war. Auch die Gemeinde hatte ihre Hilfe bei diesem Vorhaben zugesagt.“ Wenig später wurde das Aus verkündet.

Von Willi Behr und vom Verwaltungsrat hörte sich das anders an. „Der Gemeinderat hat beschlossen: Weingarten braucht keinen Oberliga-Fußball“, wurde auf der Vereins-Homepage behauptet. Dort sind auch andere Zahlen genannt. Zum Beispiel ein akuter Finanzbedarf von 364.750 (normal) oder 220.765 Euro (minimal) bei langfristigen Verbindlichkeiten von 659.000 oder 467.000 Euro. Demnach wurden der Gemeinde erfolglos zwei Angebote unterbreitet: Die Rückgabe der Erbbaurechte und Übertragung der Arena an die Gemeinde bei Entfall der Bürgschaft und Ablöse der Grundschuld des Vereins bei der VRBank in Höhe von zusammen 467.000 Euro (der SVW wollte danach das Gelände für monatlich 3000 Euro mieten) oder die Gründung einer SVW-Betreibergesellschaft, die das Erbbaurecht übernimmt und die Arena an den Verein verpachtet (die Gemeinde sollte bei dieser Alternative 125.000 Euro finanzieren).

Forderungen vom Finanzamt in Höhe von 63.000 Euro und eine Baufirma, die 8300 Euro wollte (nach SVW-Angaben), hatten das Insolvenzverfahren ausgelöst. Johann, der den Arena-Bau koordinierte, hält die Größe des Sportheims und der Sportplätze auch heute noch für gerechtfertigt. Zwar könne man geteilter Meinung über den nicht geplanten Bau von Nebengebäuden und über das Pub im Erdgeschoss sein; mit zur Teuerung des Baues hätten auch so nicht kalkulierte Kosten für Entlüftungsanlagen und Elektroinstallationen beigetragen. In den genannten Punkten stecke die Überteuerung von 15 Prozent. Johann: „Stellt man die in Eigenleistung erbrachten 9000 Stunden gegenüber, so war dies dennoch eine tolle Leistung. Geplant waren zu Beginn des Baues nur etwa 3000 ehrenamtliche Stunden.“

Die Ursache für den Niedergang erkennt Johann in etwas anderem: „Meiner Meinung nach hatte der Verein in den letzten fünf Jahren Probleme auf der Einnahmeseite. Ich als Vorsitzender bis Ende 2000 hatte mit meinen Helfern jährlich sechs bis acht Veranstaltungen, die Einnahmen wurden zur Deckung von laufenden Kosten verwendet.“ Diese Veranstaltungen seien auf null zurückgefahren, das mühsam aufgebaute Sponsoring sei seit über einem Jahr vernachlässigt und manchmal sogar abgelehnt worden. So sollen dem SVW einmal 60.000 Euro als Trikot-Sponsoring geboten worden sein, ohne dass es zum Vertragsabschluss gekommen wäre.

„Ein Vorstand muss sich messen lassen nach seinen Taten und nicht nach seinen Sprüchen“, sagt Johann heute. „Die meiner Meinung nach unnötige Vernichtung des Vereins ist wie ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich in diesem SVW in den letzten 60 Jahren aufgeopfert und bewegt haben. Trotz des Insolvenzverfahrens wäre es möglich gewesen, den Verein sportlich erfolgreich weiterzuführen.“

Nur noch Geschichte: 1992 trat Borussia Dortmund in Weingarten an. 1996, im Jahr des Abstiegs in die B-Klasse, in dem dem Verein nur sieben Spieler blieben, spielte Schalke 04 auf. Damals hatte sich Johann mit Behr beraten, wurde die Firma VIP gegründet. Trainer Helmut Behr und mit ihm einige Spieler kamen vom ASV Landau, der rasante Aufstieg in die Oberliga begann.

Und heute? Johann ist „zutiefst traurig und erschüttert“, wie die neu gebaute Sportanlage des SVW „verrottet und verkommt“. Sich abzulenken, fällt ihm nicht leicht. Seit Anfang des Jahres ist der ehemalige Kfz-Meister bei den Pfalzflugzeugwerken in Speyer im Vorruhestand.

Die Rheinpfalz

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