14.07.2005 - 09:39:
Die Rheinpfalz: Rien ne va plus
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Bericht der Rheinpfalz vom 14.07.2005:
Der SV Weingarten (SVW) ist zahlungsunfähig. Das förmliche Insolvenzverfahren ist am Dienstag eröffnet worden. Das sagte gestern Insolvenzverwalter Martin Wiedemann, Mannheim. Nach seinen Angaben geht es nicht mehr um die Rettung des Vereins – das sei vorbei – vielmehr werde jetzt wohl liquidiert.
Bis zuletzt seien Gespräche mit potenziellen Investoren geführt worden, aber es habe sich nichts ergeben, sagte Wiedemann. Wie berichtet, hätte der sich in der Vorwoche noch im vorläufigen Insolvenzverfahren befindliche Verein übers Wochenende mindestens 187.500 Euro beschaffen müssen, um das Insolvenzverfahren abzuwenden. Dieses habe nun eröffnet werden müssen, um die Forderungen der Gläubiger aus dem noch vorhandenen Vereinsvermögen zu erfüllen. Zur genauen Höhe der Verbindlichkeiten des SV Weingarten könne er noch nichts sagen, da ihm noch der Überblick fehle, sagte Wiedemann. Seiner Schätzung zufolge bewegen sich die Verbindlichkeiten unter anderem aus Forderungen von Lieferanten und Spielern des Oberliga-Clubs aber noch im sechsstelligen Bereich. Wiedemann sagte weiter, dass er keine große Hoffnung hege, dass der Spielbetrieb des SV Weingarten aufrecht erhalten werden kann. Die erste Verhandlung vor dem Insolvenzgericht sei am 12. Oktober.
Dass der SVW nun im Insolvenzverfahren stecke, mache ihn betroffen, sagte Weingartens Ortsbürgermeister Dr. Kurt Seibert. Er wolle sich in den nächsten Tagen mit Fachleuten zusammensetzen und sich mit dem Thema „Insolvenzverfahren“ vertraut machen. Zudem wolle er mit Vereinsvertretern, Insolvenzverwalter, Banken und Gemeinderat sprechen. Die Gemeinde, die für den Verein eine Bürgschaft in Höhe von 300.000 Euro übernommen habe, sei weiter interessiert daran, einen Teil der Immobilien des SVW möglichst lastenfrei zu übernehmen. Allerdings seien der Gemeinde die Hände gebunden, verweist Seibert unter anderem auf die Bürgschaft. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass für den Fall, dass die Gemeinde Teile der von ihr dem SVW in Erbpacht überlassenen Vereinsimmobilien übernehme – das Interesse gelte insbesondere dem Clubhaus – auch hohe Unterhaltskosten auf sie zukämen.
„Die Gemeinde ist wohl doch wieder gefordert – jetzt unfreiwillig“, sagte Seibert und verweist auf einen Weg, den die Gemeinde über Jahre gemeinsam mit dem SVW gegangen sei. Laut Seibert habe der Rat lange dem Verein geglaubt, ihm vertraut und auf die Erfüllung der vorgelegten Pläne gehofft. Nun sei Enttäuschung eingekehrt.
Auf die Zukunft des SVW angesprochen, der im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird, sagte Seibert, dass abgewartet werden müsse, ob der Verein bestehen bleibt oder aus dem Vereinsregister gelöscht werden muss. Trete der zweite Fall ein, müsse schnell eine Nachfolgeregelung gefunden, sprich ein neuer Verein gegründet werden. Er denke hier an Leute, die angekündigt hätten, im Vorstand des SVW Verantwortung zu übernehmen. Ob diese auch nach der drohenden Liquidation noch bereit sind, müsse ebenfalls abgewartet werden. Zudem gebe es bei der Altherren-Mannschaft einige, die dem Verein stark verbunden seien.
Dass die Gemeinde eventuell dem Land rund 200.000 Euro zurückzahlen muss, weil ein Grundstückskäufer dort etwas anderes machen könnte als einen Sportbetrieb zu führen (vergangene Woche war über eine Hühnerzucht geflachst worden), glaubt Seibert nicht. In den Erbpachtverträgen sei genau geregelt, welche Nutzungen zulässig sind. Sollte eine Hühnerzucht geplant werden, müsste der Rat zustimmen, woran er nicht glaube.
Bedauerlich sei die Vereinsentwicklung auch wegen der dort geleisteten guten Jugendarbeit. Mit der seien auch viele Zuschüsse an den SVW begründet worden, sagte Seibert. Zwar seien zuletzt auch viele auswärtige Jugendliche, die mit einem Platz in der Oberliga-Mannschaft geliebäugelt hätten, in den Jugendmannschaften gewesen. Aber das sei zu Zeiten, wenn es bei einem Verein läuft, in Ordnung. Doch nun fehle unter Umständen den einheimischen Jugendlichen eine Anlaufstelle.